Die Autorität des Trainers – oder: Wenn zu viele Köche den Brei verderben

Stuttgart, heute Vormittag, der große Knall: Jos Luhukay tritt nach einem Streit mit dem neuen Sportvorstand Jan Schindelmeiser nach nur vier Spieltagen von seinem Posten als Cheftrainer des VfB Stuttgart zurück. Natürlich haben beide Seiten eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge, die da passiert sind: Der Trainer fühlt sich nach der an ihm seitens der Vereinsverantwortlichen geäußerten öffentlichen Kritik von diesen verraten, der Sportvorstand wiederum spricht von fehlender Kompromissbereitschaft des Trainers und davon, dass eigentlich von Anfang an die Chemie zwischen beiden nicht gestimmt hätte. Letztendlich hat Jos Luhukay nun die richtige Konsequenz gezogen und den Job hingeschmissen.

Fakt ist, dass im deutschen Fußball in erster Linie der Trainer die Verantwortung für die sportlichen Belange einer Mannschaft trägt (in anderen Ländern, wie beispielsweise England, ist dies mitunter ein wenig anders). Er ist derjenige, der seine taktischen und spielerischen Ideen mit seinen Spielern in die Praxis umsetzen soll. Er steht tagtäglich mit seiner Mannschaft auf dem Trainingsplatz und versucht dieser, seine Ideen, sein Konzept und sein System beizubringen. Er sieht die Spieler im Training und stellt die Mannschaft für das Liga- oder Pokalspiel am Wochenende basierend auf seinen Trainingseindrücken und Beobachtungen auf. Der Trainer trägt damit also die Hauptverantwortung für den sportlichen Erfolg (aber auch Misserfolg) seiner Mannschaft. Deswegen ist eine Situation, wie sie sich nun in Stuttgart zugetragen hat, auch absolut inakzeptabel: Jegliche öffentliche Kritik am Trainer, besonders wenn diese von dessen Vorgesetzten, dem Präsidium oder einem anderen übergeordneten Vereinsgremium kommt, untergräbt die Autorität des Trainers vor seiner Mannschaft und macht eine vernünftige Arbeit mit dieser für ihn nahezu unmöglich.

Der Profifußball hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und sich zu einem Zweig der Unterhaltungsindustrie entwickelt, in dem sehr viel Geld eine Rolle spielt. Deswegen sind Strukturen, wie sie in auf Ehrenamt fußenden Amateurvereinen des Breitensports herrschen, heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr müssen Proficlubs heute wie Unternehmen der freien Wirtschaft geführt werden, wobei die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden muss. Auch der sportliche Bereich ist davon betroffen: Die Zeiten, in denen ein Trainer gemeinsam mit einem einzigen Assistenten eine ganze Mannschaft betreut hat, sind vorbei. Um den Anforderungen des modernen Profifußballs gerecht zu werden, bedarf es heute eines aus vielen Spezialisten bestehenden Trainerstabs. Genauso sind die Zeiten, in denen sich ein einzelner Manager von der Sponsorensuche bis hin zur Verpflichtung neuer Spieler um alle Bereiche gekümmert hat vorbei. Heute kümmern sich mehrere Vorstände und Direktoren um ihr jeweiliges Sachgebiet, sei es das Sponsoring, das Merchandising, oder eben der Sport. Wichtig ist dabei aber, dass alle an einem Strang ziehen und im Sinne des Vereins gemeinsam die gleichen Ziele verfolgen.

Wenn sich Trainer und Sportvorstand aber nicht grün sind, dann wird es schwer und die Probleme sind vorprogrammiert. Jeder Verein braucht, um erfolgreich zu sein, ein klares sportliches Konzept, eine gemeinsame Idee. Diese zu entwickeln, ist Aufgabe des Sportvorstands – entweder alleine, oder gemeinsam mit dem Trainer. Damit dies funktionieren kann, ist es aber zwingend erforderlich, dass da zwei Menschen zusammenarbeiten, die sich miteinander verstehen und eine gleiche Idee vom Fußball haben. Andernfalls ist Ärger vorprogrammiert und das ganze Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Im Falle des VfB Stuttgart hat man den großen Fehler begangen, nach dem Abstieg in die Zweite Bundesliga erst einen neuen Trainer zu verpflichten, der erwiesenermaßen ein Aufstiegsexperte ist, im Umgang mit seinen Vorgesetzten in der Vergangenheit aber bisweilen auch seine Probleme hatte, um dann noch einen neuen Sportvorstand hinzu zu addieren, der sich von Anfang an nicht mit diesem Trainer verstand. Der Krach war somit im Grunde also vorprogrammiert und hausgemacht.

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