FairPlayLiga oder Leistungsdenken – Ja was denn nun, BFV?

Samstagvormittag, 9:00 Uhr: Es ist ein kalter, grauer Novembermorgen in Niederbayern. In der Mehrzweckhalle in Ergolding beginnt in diesen Minuten ein Vorrundenturnier der vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) ausgerichteten Hallen-Kreismeisterschaft. Es nehmen sechs Mannschaften teil, der Erst- und Zweitplatzierte qualifizieren sich für das Halbfinalturnier in einem Monat. Das wäre soweit nichts Außergewöhnliches, wenn es sich dabei nicht um einen Bewerb für F-Junioren handeln würde. Einer der sechs Teilnehmer ist übrigens meine Mannschaft, die F-Jugend des ETSV 09 Landshut.

Zuerst möchte ich vorausschicken, dass ich grundsätzlich jede Spielgelegenheit begrüße, egal ob Freundschaftsspiel, Ligaspiel, Hallen- oder Freiluftturnier. Jedes Wettspiel gibt den Kindern die Chance, Erfahrung zu sammeln und sich weiterzuentwickeln – sportlich und menschlich. Ich möchte auch nicht das Leistungsdenken allgemein verteufeln. Nach meiner Erfahrung unterscheiden Kinder nicht zwischen Freundschafts- und Bewerbsspielen: Sie haben den Ehrgeiz, immer zu gewinnen und gehen deshalb jedes Spiel mit hundertprozentigem Einsatz voll motiviert an. Für mich als Trainer liegt der Fokus hingegen nicht auf kurzfristigen Ergebnissen, sondern auf der langfristigen Entwicklung meiner Spieler.

Mir kommt es darauf an, dass die mir anvertrauten Kinder zum Ende einer jeweiligen Altersstufe all das können, was sie als Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Weiterlernen und eine möglichst optimale Weiterentwicklung in der nächsten Altersstufe mitbringen müssen. Wie mir erst kürzlich im Rahmen einer Veranstaltung des „DFB-Mobil“ bestätigt wurde, sieht man das ganz offenbar auch bei DFB und BFV so. Zumindest wurde uns Teilnehmern das Entwicklungsstufenmodell dabei wärmstens ans Herz gelegt. Auch wurde seitens des Verbands der organisatorische Rahmen des Ligaspielbetriebs in der jüngeren Vergangenheit mit dem Ziel verändert, die Freude am Fußballspielen an sich in den Vordergrund zu stellen und das verfrühte Leistungsdenken mit all seinen negativen Folgen dagegen nach Möglichkeit zu unterbinden: Mittlerweile werden bei den F-Junioren keine Spielergebnisse mehr veröffentlicht, es gibt keine Tabellen und bayernweit gelten die Regeln der FairPlayLiga – und das ist auch gut so.

Aber dann endet die Hinrunde und es beginnt die Hallensaison. Und die beginnen wir mit dem Vorrundenturnier der Hallen-Kreismeisterschaft, bei der all das, was der BFV inzwischen im Bereich der F-Junioren eingeführt hat, komplett über den Haufen geworfen wird. Auf einmal geht es nicht mehr nur um die Freude am Spiel, sondern jetzt geht es plötzlich auch wieder um Leistung – eigentlich geht es sogar nur um Leistung, denn wie schon erwähnt: Nur die zwei besten Mannschaften ziehen in die nächste Runde ein. Jetzt interessieren auch die Regeln der FairPlayLiga beim BFV scheinbar niemanden mehr. Traut man während der Freiluftsaison im regulären Spielbetrieb den Kindern noch zu, ohne Schiedsrichter zu spielen und alle Entscheidungen auf dem Platz selbst zu treffen (was übrigens weitestgehend auch funktioniert), so ist jetzt auf einmal wieder die Anwesenheit eines Schiedsrichters erforderlich. Scheinbar möchte man bei einem Wettbewerb, der in meinen Augen das Leistungsprinzip in Reinkultur darstellt, kein Risiko eingehen. Offenbar steht aus Verbandssicht für die Vereine dann doch zu viel auf dem Spiel, als dass man auf das Urteilsvermögen und die Regelfestigkeit der Kinder vertrauen möchte – sehr schade, wie ich finde.

Diese Schiedsrichter pfeifen übrigens auch nicht umsonst, sondern bekommen natürlich eine Aufwandsentschädigung – wobei auch dagegen an sich nichts einzuwenden ist. Um diese jedoch bezahlen zu können ist es laut offiziellem Aushang dann aber eben notwendig, von den Zuschauern einen Euro Eintritt zu verlangen. Dieser Euro tut zwar mit Sicherheit niemandem weh, aber ich war bisher noch bei keinem Hallenturnier für Juniorenmannschaften, bei dem die Zuschauer Eintritt bezahlen mussten – bei einem offiziellen Turnier des BFV muss das aber scheinbar so sein. Was mir dabei allerdings noch immer nicht klar ist: Wenn das Eintrittsgeld gebraucht wird, um die Schiedsrichter zu bezahlen, für was wird dann die Startgebühr der teilnehmenden Mannschaften verwendet? Eine Startgebühr von 25 Euro ist nämlich auch noch fällig – wohlgemerkt: Es handelt sich um einen offiziellen Verbandswettbewerb, nicht um das alljährliche Turnier irgendeines Dorfclubs, für das wir freiwillig gemeldet hätten. Mein Verein wird mir dieses Geld zwar zurückerstatten, aber dennoch bin ich noch immer verwundert, dass ich überhaupt etwas bezahlen musste. Ich war in der Vergangenheit schon beim E-Junioren-Kreispokal zum Auftakt der Saison 2013/14, übrigens damals auch vom BFV veranstaltet, oder beim Merkur Cup – bezahlen musste ich dafür nie (höchstens sportliches Lehrgeld, aber das ist ein anderes Thema!)

Gespielt wird diese Hallen-Kreismeisterschaft übrigens nach Futsalregeln. Das ist ein Punkt, über den sich ebenfalls streiten lässt, wobei ich auch gegen Futsal grundsätzlich keine Einwände habe. Allerdings ist diese Form des Hallenfußballs für Anfänger wie meine F-Junioren nicht geeignet, oder zumindest noch nicht geeignet. Die meisten Kinder sind in diesen jungen Jahren technisch noch nicht so weit, um mit dieser fußballerisch äußerst anspruchsvollen Spielform zurechtzukommen. Futsal verzeiht keine Fehler und überfordert deshalb viele Kinder. Mit Sicherheit ist Futsal gerade in älteren Altersstufen eine interessante Alternative zum klassischen Hallenfußball mit Bande, setzt aber eben die entsprechenden technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten voraus. Wenn diese fehlen, dann entsteht kaum Spielfluss, da der Ball in Folge fehlender Ballkontrolle sehr oft im Aus landet.

Der BFV sollte sich also gut überlegen, ob er den Kindern, den Vereinen und letztendlich auch sich selbst mit dieser Hallenmeisterschaft für F-Junioren einen so großen Gefallen tut. Fakt ist, der BFV widerspricht damit sich selbst und macht sich am Ende unglaubwürdig – FairPlayLiga und Unterbindung des Ergebnisdenkens hier, dann aber wiederum totales Leistungsprinzip dort. Dabei wäre es doch mit Sicherheit möglich, eine Hallenturnierserie für F-Junioren ins Leben zu rufen, die sowohl die aktuelle Lehrmeinung von DFB und BFV und die Grundprinzipien der FairPlayLiga miteinander verknüpft, in der Spielform altersangemessen ist und damit schlussendlich allen Beteiligten gerecht wird. Aus meiner Sicht wäre das jedenfalls wünschenswert – und dann zahle ich auch gerne 25 Euro Startgebühr.

Ach ja: Meine Mannschaft hat die ersten beiden Plätze übrigens verpasst, was aber nicht weiter tragisch ist.

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