„Herr Ismaik wird den Klub auch in der 4. oder 5. Liga unterstützen“ – Drohung oder Versprechen?

Der tiefe Fall scheint nun vorerst gebremst zu sein: Nach dem sportlichen Abstieg in den Relegationsspielen zur 2. Bundesliga am vergangenen Dienstag folgte das große Chaos in Form einer beispiellosen Selbstdemontage. Der erst vor acht Wochen als großer Heilsbringer vorgestellte Geschäftsführer Ian Ayre, ehemals Manager beim FC Liverpool, trat bereits vor dem Rückspiel der Relegation gegen den SSV Jahn Regensburg zurück. Die genauen Gründe hierfür liegen im Dunkeln – möglicherweise waren es Gewissensbisse aufgrund der Dinge, die sich intern bereits anbahnten, der Öffentlichkeit aber erst später bekannt wurden. Löwenpräsident Peter Cassalette, Präsident von des Investors Gnaden, trat unmittelbar nach dem Spiel zurück, verschwand und ward nicht mehr gesehen. Vítor Pereira, der als internationaler Startrainer angekündigte Übungsleiter, verabschiedete sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel – Fragen durften ihm die anwesenden Journalisten jedoch keine Stellen. In der Folge sickerten nach und nach neue Informationen bezüglich der neuesten Zerwürfnisse zwischen Investor Hasan Ismaik und den Verantwortlichen des Stammvereins TSV 1860 München e. V. durch. Grund für den Streit waren die deutlichen Forderungen, an die Ismaik weitere, für die Lizenzerteilung dringend gebrauchte Finanzhilfen, knüpfte. Die SZ bezeichnete diese gar als „Erpressungsversuch“. Inhaltlich ging es dabei vor allem darum, das Mitspracherecht des Stammvereins zu begrenzen und somit die 50+1-Regelung praktisch auszuhebeln, was allerdings gegen die Regularien von DFL und DFB verstoßen hätte und somit für den Verein unannehmbar war. Am Ende stand nun der Verzicht Hasan Ismaiks auf die Gewährung einer weiteren Finanzspritze – die Angaben reichen dabei von einer hohen einstelligen Summe bis hin zu elf Millionen Euro, die zur Erteilung der Lizenz für die 3. Liga notwendig gewesen wären. Der Jordanier hat nicht gezahlt und damit sind die Löwen vorerst raus aus dem Profifußball und in der viertklassigen Regionalliga Bayern angekommen – recht viel tiefer sollte es nun aber wohl auch nicht mehr gehen.

Hasan Ismaik, der aus dem TSV München von 1860 einen europäischen Spitzenverein machen wollte (und wohl noch immer machen will), der dafür sogar ein neues Stadion für mindestens, vielleicht auch mehr als 50000 Zuschauer bauen wollte, hat sich in einer Mitteilung bereits zu Wort gemeldet, beziehungsweise hat über seine Fußballgesellschaft HAM mitteilen lassen: „Herr Ismaik wird den Klub auch in der 4. oder 5. Liga unterstützen und notwendige Veränderungen vorantreiben.“ Wie ein derartiges Statement zu interpretieren ist, das ist im Moment unklar. Einerseits klingt es wie ein Versprechen, den Verein weiterhin zu unterstützen – Geld kann jeder Verein gut gebrauchen. Andererseits steigt die Zahl derer, die eine derartige Aussage eher als Drohung ansehen, mehr und mehr an. Die Kommentare in den letzten Tagen, wie z. B. die jüngsten Aussagen von 1860-Trainerikone Werner Lorant, gehen allesamt in die gleiche Richtung: Der einstige Retter Hasan Ismaik hat sich inzwischen zur größten Bedrohung für die Löwen entwickelt und ist aufgrund seiner fehlenden Fachkompetenz in Sachen Fußball, seiner Beratungsresistenz und den dadurch letztendlich von ihm selbst getroffenen Fehlentscheidungen der Hauptschuldige am aktuellen Niedergang des TSV 1860 München. Und solange er sein Engagement nicht beendet, oder sich zumindest deutlich zurücknimmt, wird sich die Situation bei den Löwen wohl auch nicht entscheidend ändern. Allerdings wurde inzwischen aber auch eines klar, oder wie es Hans Sitzberger, einer von zwei verbliebenen Vizepräsidenten des Stammvereins, die das aktuelle Chaos nach besten Kräften zu verwalten versuchen, ausdrückte: Die Abhängigkeiten haben sich verändert. Denn bei aller Trauer über den Absturz in die Viertklassigkeit ist der TSV 1860 München dadurch ganz plötzlich in einer neuen Position. Der Spielbetrieb in der Regionalliga Bayern kann wohl auch aus eigener Kraft gestemmt werden, womit man nicht mehr unbedingt auf Ismaiks Unterstützung angewiesen ist. Dadurch dürfte es der Jordanier in Zukunft schwerer haben, sich mit seinen Forderungen durchzusetzen. Ob ihm das auf die Dauer schmecken wird, das darf stark bezweifelt werden. Vielleicht sind die Löwen dann bald wieder alleiniger Herr im eigenen Haus – zu wünschen wäre es ihnen. Und wenn es soweit ist, dann besteht endlich die Chance auf einen echten Neuanfang.

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