Zehn Merkmale guten Fußballtrainings

Wenn am Rande der Trainingsplätze in Fußballdeutschland darüber diskutiert wird, was unter „gutem Training“ zu verstehen sei und was ein Trainer alles mitbringen und können müsse, speziell wenn er im Nachwuchsbereich tätig ist, dann werden nicht selten althergebrachte Klischees, vollkommen praxisferne und bisweilen völlig veraltete Ansichten zum Thema „Fußballtraining“ offenbar. Ein guter Trainer würde sich demnach vermeintlich dadurch auszeichnen, dass er seine Spieler ordentlich laufen ließe, sie auf dem Platz schleifen und im Idealfall richtig fertig machen würde. Denn nur so würden diese das Laufen und Kämpfen lernen. In Bezug auf das Training mit Kindern gibt es auch nicht wenige, die denken, dass es im Grunde vollkommen ausreichen würde, diesen einfach einen Ball hinzuwerfen und sie spielen zu lassen – dabei würden die Kinder doch am meisten lernen. Was gleichzeitig auf den Trainingsplätzen tatsächlich beobachtet werden kann, ist oftmals auch nicht viel besser, als das, was von den „Kiebitzen“ am Spielfeldrand gefordert wird. Da stehen dann schon mal zehn Kinder bei einer Übung an und warten, bis ihr Teamkamerad unter strenger Anleitung des Trainers diese absolviert hat und der Nächste an die Reihe kommt. Überhaupt stehen die Kinder mehr, als dass sie sich aktiv mit dem Ball beschäftigen würden – selbst im Trainingsspiel! Denn da wird mit der Idee, alle anwesenden Spieler ins Spiel einbinden zu wollen, einfach kurzerhand ein Trainingsspiel 11-gegen-11 mit einem Ball durchgeführt, bei dem im Endeffekt dann aber nur die wenigsten Kinder tatsächlich aktiv am Spiel teilnehmen. Mit gutem Training hat das Alles mit Sicherheit nichts zu tun!

Hierzu lohnt sich vielmehr ein Blick über den Tellerrand des Fußballs hinweg zur Schule. Denn die Rolle des Nachwuchstrainers im Verein ist im Grunde mit der Rolle eines Lehrers in Schule vergleichbar. Qualitativ guter Schulunterricht ist laut dem renommierten Schulpädagogen Hilbert Meyer durch zehn Merkmale gekennzeichnet:

  1. Klare Strukturierung des Unterrichts
  2. Hoher Anteil echter Lernzeit
  3. Lernförderliches Klima
  4. Inhaltliche Klarheit
  5. Sinnstiftendes Kommunizieren
  6. Methodenvielfalt
  7. Individuelles Fördern
  8. Intelligentes Üben
  9. Transparente Leistungserwartungen
  10. Vorbereitete Umgebung

Diese Merkmale lassen sich auch ohne Weiteres auf das Fußballtraining übertragen, da Training am Ende auch nichts anderes ist, als Unterricht. Sie können so sowohl dem Trainer als ein nützlicher Leitfaden bei der Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung seines Trainings dienen, als auch außenstehenden Beobachtern – Spielereltern und Vereinsverantwortlichen – als Kriterien zur Beurteilung der Trainingsqualität.

 

Quellen:

Meyer, Hilbert (2005): Was ist guter Unterricht? 2., durchgesehene Auflage. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor. S. 23 – 132

Wein, Horst (2012): Spielintelligenz im Fußball – kindgemäß trainieren. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Aachen: Meyer & Meyer Verlag

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