Inhaltliche Klarheit

Im Sinne von MEYER kann immer dann von inhaltlicher Klarheit gesprochen werden, wenn Aufgaben in gut verständlicher Form gestellt werden, der thematisch-inhaltlich Verlauf einer Unterrichtsstunde in sich logisch und nachvollziehbar ist und die Sicherung der Unterrichtsergebnisse in einer eben solchen Weise erfolgt. Auf den ersten Blick scheint sich dieses Merkmal zunächst nur schwer bzw. bestenfalls in Teilen auf das Fußballtraining mit Kindern übertragen zu lassen – wo und wie werden beim Training der Ergebnisse gesichert? Dennoch ist dieser Transfer möglich.

Inhaltliche Klarheit ist gerade hinsichtlich der Entwicklung der Spielintelligenz von zentraler Bedeutung. Und auch im Fußballtraining ist es wichtig, klare Aufgaben zu stellen, wenngleich eine Ergebnissicherung, wie es sie in der Schule beispielsweise in Form eines Hefteintrags gibt, so nicht stattfindet. Vielmehr geht es im Training darum, durch die Auswahl und Gestaltung der einzelnen Übungen und mit deren Darbietung und Erläuterung die Kinder darin zu unterstützen, den Transfer von der Übungssituation auf die konkrete Spielsituation im Wettkampf zu schaffen. Konkret heißt das, dass alle Übungen einen unmittelbaren Praxisbezug haben sollen, d. h. typischen Situationen des Wettspiels entsprechen, von den Kindern darin dann verschiedene Lösungsmöglichkeiten entdeckt und erarbeitet werden sollen, damit sie diese Situationen schließlich im tatsächlichen Wettspiel wiedererkennen und ihre Lösungen zur Anwendung bringen können. Vereinfacht gesagt bedeutet inhaltliche Klarheit also, den Kindern verständlich zu machen, welchen Sinn und Zweck bestimmte Trainingsinhalte und Übungen haben, und sie darin zu unterstützen, den Zusammenhang zwischen Training und Wettspiel zu erkennen und zu verstehen. Den Ausgangspunkt bilden dabei ihr bereits vorhandenes Vorwissen aus vorangegangenen Trainingseinheiten und ihre Vorerfahrungen aus früher bestrittenen Wettspielen. Daran gilt es im Training anzuknüpfen.

Der Trainer sollte immer wieder Situationen aufgreifen, die seine Schützlinge im Wettspiel bereits erlebt haben und mit denen sie auch in Zukunft immer wieder konfrontiert werden. Er isoliert eine solche Situation, reduziert sie auf ihren inhaltlichen Kern und verpackt sie in eine altersgerechte Übung bzw. Aufgabe. Im Training erhalten seine Spieler dann die Möglichkeit, verschiedene Handlungsstrategien und Lösungsmöglichkeiten für diese Aufgabe zu entdecken und zu erproben. Im Sinne eines induktiven Ansatzes erfolgt hierbei ein gewisses Maß an Lenkung, indem der Trainer seinen Spielern über gezielte, auf die Situation bezogene Fragestellungen Impulse gibt. Zur Lösung der gestellten Aufgaben greifen die Kinder immer wieder auf bereits erlernte Techniken zurück, z. B. auf schon bekannte Tricks und Finten, die im Kontext der jeweiligen Situation weiterentwickelt und automatisiert werden. Bei Übungen, die eine etwas stärkere Lenkung erfordern, wie beispielsweise typische Übungen des Techniktrainings, mit denen eine bestimmte Bewegung oder Ballaktion automatisiert werden soll, erteilt der Trainer hingegen klare Handlungsanweisungen, was einer deduktiven Herangehensweise entspricht. Wichtig ist aber in jedem Fall, dass er sich bei all seinen Instruktionen und Erklärungen sprachlich klar und für die Kinder der ihm anvertrauten Altersklasse verständlich ausdrückt, d. h. sein Spracheinsatz sollte angemessen, seine Erläuterungen nicht zu langatmig und seine Wortwahl kindgerecht, also nicht kompliziert sein. Denn letztendlich bedeutet inhaltliche Klarheit, dass die Kinder die von ihnen erwarteten Handlungsweisen verstehen und praktisch umsetzen können sollen.

%d Bloggern gefällt das: