Klare Strukturierung

Der Begriff der Strukturierung bezieht sich zunächst einmal auf den Aufbau und geplanten Ablauf einer Trainingseinheit, also auf die Abfolge der einzelnen Trainingsbausteine, z. B. der gelenkten Erarbeitungs- und Übungsphasen einerseits und der Phasen des freien Spielens andererseits. Diese Elemente sind in der Planung so auszuwählen und aneinanderzureihen, dass sich sowohl thematisch-inhaltlich ein in sich konsistenter Verlauf ergibt, der zu einem klar definierten Trainingsziel passt – wenn das Ziel das Trainings „Verbesserung des Passspiels“ lautet, dann sollten auch dementsprechende Übungen und Spielformen mit diesem Schwerpunkt ausgewählt werden -, als auch grundlegende allgemeingültige Trainingsprinzipien ihre Berücksichtigung finden. Je nach der bevorzugten Philosophie des Trainers kann dies eher gemäß einer eher deduktiven Herangehensweise erfolgen, also von der Hinführung an eine neue Technik, deren Erarbeitung in Einzel- und Partnerübungen, über die Vertiefung in einer Gruppenübung hin zu ihrer Anwendung in einem abschließenden Mannschaftsspiel, oder aber auch in eher induktiven Form, d. h. ausgehend von einer Spielform einen bestimmten Aspekt des Spiels genauer zu betrachten, diesen mit isolierten Übungen gezielt zu optimieren und anschließend bei einer neuerlichen Durchführung der Spielform durch die Spieler eigenständig in verbesserter Weise zur Anwendung bringen zu lassen. Eine gut strukturierte bzw. gut rhythmisierte Trainingseinheit dient auch der Aufrechterhaltung der Motivation der Spieler. So lässt beispielsweise gerade bei Kindern jüngeren Alters während monotoner Technikübungen die Lust am Üben und damit die Konzentration recht schnell nach, wodurch es in der Folge zu Disziplinschwierigkeiten und Störungen des Trainings kommen kann. Deswegen ist es wichtig, stark vom Trainer gelenkte, gebundene Phasen immer wieder mit offeneren Phasen des freien Spielens abzuwechseln.

Eine klare Strukturierung entsteht aber nicht nur allein durch den Aufbau der Trainingseinheit an sich. Vielmehr beinhaltet dieses Merkmal eine Vielzahl wesentlicher Elemente der Interaktion zwischen Spielern und Trainer. So muss klar sein, wie innerhalb der Mannschaft die Rollen verteilt sind: Nicht die Spieler geben vor, was im Training gemacht wird, sondern ausschließlich der Trainer, allerdings ohne dabei im negativen Sinn autoritär zu werden! Wichtig ist auch, dass sich der Trainer in seinen Anweisungen einer klaren, für seine Schützlinge verständlichen (d. h. altersangemessenen) Sprache bedient, wobei hinsichtlich des Spracheinsatzes nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität eine wesentliche Rolle spielt: Weniger kann hier manchmal mehr sein! Entscheidend ist, dass den Spielern nach wenigen Worten eindeutig klar sein muss, was von ihnen verlangt wird.

Zur Reduzierung des Spracheinsatzes können auch vorab vereinbarte Signale und Rituale dienen. Die Einführung eindeutiger Signale kann dem Trainer den Trainingsalltag wesentlich erleichtern – es ist viel angenehmer, wenn sich die Spieler auf einen kurzen Pfiff und ein kleines Handzeichen hin zur Ansprache im Halbkreis vor dem Trainer aufstellen, als wenn dieser jedes Mal wieder lauthals über den Platz schreien muss „zu mir kommen und im Halbkreis aufstellen!“ Signale und Rituale verleihen dem Trainingsalltag Struktur und können die Effizienz einer jeden Einheit deutlich erhöhen. Auch klar definierte Regeln und deren Einhaltung sind für die Zusammenarbeit auf und neben dem Platz wichtig, ebenso wie entsprechende, vorab bekannte Konsequenzen bei deren Nichteinhaltung.

Letztendlich zeigt sich in einer guten Strukturierung des Trainings und all den dazugehörigen Begleiterscheinungen die tatsächliche Kompetenz des Trainers. Dadurch gewinnt er das Vertrauen seiner Spieler und – im Nachwuchsfußball sehr wichtig! – deren Eltern. Auf diese Weise entsteht innerhalb einer Mannschaft ein gutes Arbeitsverhältnis zwischen allen Beteiligten und die Spieler sind eher dazu bereit, Kritik seitens des Trainers anzunehmen und seine Anweisungen zu befolgen.

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