Methodenvielfalt

Die erste Assoziation, die beim Begriff Methodenvielfalt entsteht, ist die eines sehr großen, breitgefächerten Repertoires an Methoden, oder auf das Fußballtraining bezogen: an Übungs- und Spielformen. An sich ist dieser Gedanke auch richtig, wäre aber viel zu kurz gefasst. Denn tatsächlich umfasst die Methodenvielfalt im Sinne MEYERS wesentlich mehr. So beinhaltet sie auch die Flexibilität und den Variantenreichtum, mit dem bestimmte Methoden angewandt und dargeboten werden. Methodenvielfalt bedeutet, dass der Lehrer bzw. Trainer über eine Vielzahl an Handlungsmustern verfügt, die er entsprechend der Erfordernisse der jeweiligen Situation zur Erreichung eines bestimmten Lern- bzw. Trainingsziels zum Einsatz bringen kann. Außerdem geht es darum, einzelne Übungen und Spielformen im Trainingsverlauf so zu gewichten und in ihrer Abfolge so zu takten, dass die Motivation der Kinder und damit auch die Lernbereitschaft zu jeder Zeit maximal hoch bleibt.

Dennoch ist die Methodenvielfalt als ein Kriterium für gutes Training auch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen und darf keineswegs falsch interpretiert werden. Denn es bringt den Kindern überhaupt nichts, wenn sie in jeder Einheit mit gänzlich neuen und ihnen bis dato unbekannten Übungs- und Spielformen konfrontiert werden. Mit Blick auf einen möglichst hohen Anteil an echter Lernzeit ist es sogar eher kontraproduktiv, sie ständig vor komplett neue Aufgaben zu stellen, die erst einmal langatmig erklärt werden müssen und dann ihre Zeit brauchen, bis sie gemäß den Vorstellungen des Trainers ablaufen und funktionieren. Hier ist weniger sogar manchmal mehr – lieber auf ein paar wenige Grundübungen setzen, die den Spielern nach einiger Zeit vertraut sind, und diese dann entsprechend des anvisierten Lernziels der Trainingseinheit variieren. Aus dieser Perspektive betrachtet ist unter dem Begriff ‚Methodenvielfalt’ also vielmehr der Variantenreichtum zu verstehen, mit dem sich bestimmte Übungen und Spielformen hinsichtlich der gewünschten Ziele verändern lassen.

Der Diplomsportlehrer und Sportwissenschaftler Horst Wein beschreibt in seinem Buch über das kindgemäße Training der „Spielintelligenz im Fußball“ einen Ansatz, der alle Aspekte der Methodenvielfalt in sich vereint. Die Grundidee ist es dabei, das Fußballspiel in den Mittelpunkt des Trainings zu stellen, anstatt das Spiel als eine Art abschließende „Belohnung“ an das Ende der Einheit zu stellen. In einem ersten Spieldurchgang wird zunächst ein bestimmtes spielerisches Element identifiziert, das es zu verbessern gilt. Dies geschieht im Anschluss in Form einer ersten Verbesserungsübung, die der Trainer passend zum Problem anbietet. Danach findet ein zweiter Spieldurchgang statt, in dem einerseits das gerade Erlernte zur Anwendung gebracht, andererseits aber ein weiteres zu verbesserndes Spielelement identifiziert wird. Auch für dieses wird anschließend eine passende Übung zur Verbesserung angeboten. Abschließend findet dann ein weiterer Spieldurchgang statt. Dieses Vorgehen erfordert vom Trainer viel Flexibilität und das entsprechende Wissen, um für jedes Problem die passende Übung zur Verbesserung parat zu haben. Jedoch rückt bei dieser Vorgehensweise auch das Fußballspielen in den Mittelpunkt des Geschehens, was für die Kinder wesentlich motivierender ist, als stupide Drills und „Trockenübungen“ mit langen Anstehzeiten und wenig erkennbarem Bezug zur Praxis des Wettspiels.

Natürlich ist es gerade im Bereich des Techniktrainings wichtig, mit vielen, vielen Wiederholungen bestimmte Bewegungsabläufe zu automatisieren. Letztendlich ist es aber auch erforderlich, im Training immer wieder für Abwechslung zu sorgen, um so neue Trainingsreize zu setzen und möglichst vielen Aspekten des Fußballspiels gerecht zu werden.

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