Transparente Leistungserwartung

Der Leistungsbegriff ist gerade im Kinderfußball äußerst kritisch zu sehen, da er oftmals völlig falsch interpretiert wird. Noch immer werden messbare Leistungen in der Form von erzielten Toren und errungenen Siegen über alles andere gestellt. Dabei wird in der Regel übersehen, dass in allen Altersklassen des Kinder- und Jugendfußballs zu allererst die sportliche Ausbildung der Nachwuchsspieler im Mittelpunkt stehen muss. Um ‚Leistung’ im Sinne von ‚Spiele gewinnen’ sollte es frühestens ab der C-Jugend gehen. Von der G- bis zur D-Jugend steht stattdessen die individuelle fußballerische Entwicklung der Kinder im Vordergrund. Der Begriff ‚Leistung’ ist in dieser Phase deswegen als das maximale Ausschöpfen der vorhandenen altersspezifischen Entwicklungspotenziale in geistiger und körperlicher Hinsicht eines jeden Spielers zu verstehen. Daraus ergeben sich über einen langen Zeitraum hinweg viele der jeweiligen Altersklasse entsprechende Entwicklungsziele, die es in vielen kleinen Schritten zu erreichen gilt. Dies den Spielern (und auch ihren Eltern) zu kommunizieren, darin besteht eine der Hauptaufgaben eines guten Nachwuchstrainers.

Es obliegt also dem Trainer, seinen Schützlingen im Training verständlich zu vermitteln, worauf es ihm bei einer Übung tatsächlich ankommt und welche Erwartungshaltung er an seine Spieler richtet. Um den Anreiz einer Übung zu steigern und die Motivation der Kinder hoch zu halten, wird beispielsweise gerne ein abschließender Torschuss als „Highlight“ eingebaut. Die Praxis zeigt aber, dass sich dadurch gerne der Fokus der Kinder in eine falsche Richtung verschiebt: Für sie steht auf einmal nicht mehr der koordinative oder technische Teil im Mittelpunkt, der eigentlich den Kern der Übung darstellt. Stattdessen geht es für sie nur noch darum, den Ball am Ende irgendwie im Tor unterzubringen. So verkommt schließlich eine an sich gute Übung zur Förderung eines bestimmten Bewegungsablaufes zu einem wilden „Gebolze“. Deswegen gehört zur transparenten Leistungserwartung neben einer klaren Aufgabenstellung auch, dass der Trainer auf die exakte Durchführung der Übung achtet und seinen Spielern ein entsprechendes Feedback gibt und gegebenenfalls korrigierend eingreift. Wichtig ist aber auch dabei die richtige Art der Kommunikation, d. h. die Kinder sollen dennoch stets ein gutes Gefühl haben und neben möglicher Kritik und Korrekturen auch immer etwas Positives zu hören bekommen.

Beim Üben in Spielformen, bei Trainings- oder gar Wettspielen ist es ebenfalls wichtig, den jungen Kickern transparente, klare Zielvorgaben mit auf den Weg zu geben. Wie zuvor bereits erwähnt sollen das aber keine Ziele in Form von Ergebnissen sein: Das Gewinnen steht im Kinderfußball nicht im Mittelpunkt und darf niemals das Primärziel sein, wenngleich natürlich immer maximaler Einsatz gefordert wird – auch wenn das Gewinnen nicht das oberste Ziel sein darf, dürfen die Spiele natürlich dennoch gewonnen werden. Vielmehr bekommen die Kinder in Trainings- und Wettspielen vom Trainer Aufgaben, die es zu erfüllen gilt: So kann es zum Beispiel Vorgaben zur Spieleröffnung geben („keine langen Bälle!“), eine Vorgabe zur Anzahl der Ballkontakten („mit maximal drei Kontakten spielen!“), die Aufgabe, bestimmte im Training erlernte Tricks anzuwenden („der Ball wird nur durch einen doppelten Übersteiger scharf und darf erst danach ins Tor geschossen werden!“), oder Vorgaben zur allgemeinen Spielweise („offensive Zweikämpfe suchen!“). Die Art der Aufgabe richtet sich dabei nach dem jeweiligen Entwicklungsstand der Mannschaft und muss den altersspezifischen Anforderungen entsprechen. Die Erfüllung dieser vom Trainer gemachten Vorgaben und erteilten Aufträge bildet letztendlich die Grundlage seiner Beurteilung, ob ein Ziel erreicht und damit ein weiterer kleiner Entwicklungsschritt gemacht wurde.

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